Open Source als Schlüssel zur digitalen Souveränität – Interview mit Alexander Winkler

Wie sah dein Weg bei GISA bisher aus?

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit kam ich im März 2012 als Praktikant zu GISA. Ein halbes Jahr später und nach dem Ende meines Informatik-Studiums bin ich bei GISA direkt in die Fachkarriere eingestiegen. Fünf Jahre später folgte dann die Möglichkeit, mich als Führungskraft technischer Teams beweisen zu dürfen. Diese Rolle habe ich seitdem inne und übernehme zusätzlich Verantwortungen für Produktmanagement.

Was umfasst dein Aufgabengebiet bei GISA?

Mein Team DevOps Engineering und ich konzentrieren uns voll darauf, Leistungen aus dem eigenen Data Center und aus Clouds von Anbietern wie Amazon und Microsoft skalierbar, sicher und vor allem vollautomatisiert für unsere Kunden bereitstellen zu können. Dabei verheiraten wir Aufgaben der klassischen Systemadministration mit agilen Arbeitsmethoden, Microservice-Konzepten und Entwicklungsrichtlinien.


Für Berufserfahrene, Quereinsteiger, Berufsanfänger und Studierende.


Apropos Open Source: Was ist aktuell dein Lieblingstrend in der OSS-Bewegung?

Zu meinen Lieblingstrends gehört definitiv Serverless Computing, wie zum Beispiel Knative, das die Entwicklung und den Einsatz von serverlosen Anwendungen ermöglicht. Nicht zu vergessen sind auch KI-Frameworks wie TensorFlow und PyTorch.

Welche Rolle spielt hierbei Open Source, und welche Bereiche bei GISA profitieren davon besonders?

Seit mehr als zehn Jahren basieren die Tools zur Bereitstellung von Servern auf Open-Source-Software, es ist aus dem Arbeitsalltag und damit der Serviceerbringung nicht mehr weg zu denken.

Neben uns spüren das aber auch unsere Kunden z.B. beim Einsatz freier Betriebssysteme auf Open-Source-Virtualisierungsplattformen. Anstatt Lizenzkosten an Microsoft, Broadcom und Co. abzugeben, können wir unseren Kunden kostengünstigere Alternativen anbieten. Durch die sehr hohe Marktdurchdringung und  frei verfügbaren Code findet man häufig sogar schneller eine Fehlerbehebung, als sie ein Enterprise-Support erarbeiten könnte.

Darüber hinaus habe ich große Hoffnung mit der strategischen Ausrichtung von GISA, endlich auch bei Open Source mitzumischen – auch um Kunden in unserer Kernbranche Public Sector künftig noch umfassender beraten und begleiten zu können.

Welchen Stellenwert nimmt Open Source bei öffentlichen Auftraggebern ein?

Open Source rückt im Public Sector – auch aufgrund der Kampagne „Public money, public code“ – zunehmend in den Fokus. Hierzu muss ich kurz ausholen:
In den vergangenen Jahren und in den meisten Branchen wurde Open Source Software (OSS) stets als minderwertig und unzuverlässig angesehen, da keine große Firma dahinter steht, die im Störfall Support und Hilfe anbietet. Außerdem haben einzelne Organisationen wie Kommunen, Städte und Länder stets die „für sich“ optimale Software und Lösung finden wollen. Das sorgte für zum einen für Monopole bei Spezialsoftware, zum anderen aber auch für verschiedene Individualentwicklungen mit gleichen Funktionen in unterschiedlichen Bundesländern. Unterm Strich also für unnötige Steuerausgaben, die wir alle bezahlen.

Mit der Gründung des Zentrums für Digitale Souveränität der Verwaltung versucht der Bund, Open Source und Zusammenarbeit zu stärken. Das Ansinnen: Öffentliche Auftraggeber sollen die Vorteile von Open Source Software erkennen und Gelder dort investieren. In der Schweiz hat man dies bereits 2023 gesetzlich verankert. So weit ist Deutschland leider noch nicht. Hier setzt die Open-Source-Bewegung an. Mit ihren Entwicklungen stärken wir zudem unseren eigenen IT-Markt und die hiesige Fachkräfteentwicklung anstatt Software gar aus dem Ausland zu beziehen.

Woher kommt dein Interesse für Open Source? Was fasziniert dich daran?

Open Source beschäftigt mich bereits seit der Schulzeit. Als ich damals Linux auf dem Heim-PC ausprobiert und dabei alle Daten meiner Eltern gelöscht habe, war mir der eigentliche Umfang natürlich nicht ansatzweise bekannt. Richtig in Berührung kam ich mit Open Source erst, als ich für meinen Freundeskreis diverse Gaming-Server betrieben habe. Hier ging es bereits um Optimierungen und Verbesserungen: In Foren hat man sich in kleinem Maß ausgetauscht, versucht, besseren Code zu schreiben und diesen anderen zur Verfügung gestellt.

Während des Studiums habe ich dann erstmals Verbesserungen zu öffentlich zugänglichen Projekten beigesteuert. Diese „Schnipsel“ heute noch unter Wartung und im produktiven Einsatz rund um die Welt zu sehen – das ist schon cool!

Inwiefern unterstützt dich GISA dabei, diese Leidenschaft beruflich auszuleben?

Der Einsatz von Open Source Software war bei GISA noch nie ein Problem. Jedoch war es mangels getroffener Regularien bislang nicht möglich, unsere Erkenntnisse und Verbesserungen an die Open-Source-Community zurückzugeben. Glücklicherweise hat GISA 2024 mit der Arbeitsgruppe „Open Source“ die Weiterentwicklung des Feldes als offizielles Strategieziel ausgesprochen und sorgt für Bekenntnis. Bei meiner Mitarbeit in dem Team versuchen wir aktuell, den rechtlichen Grundstein zu legen, damit GISA-Mitarbeitende sich offiziell an Projekten beteiligen dürfen und damit GISA selbst als Anbieter von Open Source Software auftreten kann. Wir haben hier schon viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter bei GISA gefunden, die mit den Füßen scharren, um loszulegen!

Inwiefern konntest du dich bei GISA  fachlich und persönlich in diesem Bereich weiterentwickeln?

Der Kontakt mit Open Source Software hat im zurückliegenden Jahr, nicht nur wegen der Solution Line, sondern auch wegen meines neuen Teams DevOps Engineering, enorm zugenommen. Während ich selbst nur noch privat „mit Code arbeite“, sehe ich, wie sich die Grundprinzipien von Open Source immer stärker in den Köpfen verankern und die Zusammenarbeit fördern. Der Gemeinschaftsgedanke wird stets stärker, wobei man den gegenseitigen Einfluss aus Softwareentwicklung und Systemadministration immer gegeneinander abwägen muss. Auf Krampf „die neusten und besten“ Tools und Arbeitsmethoden einzuführen, macht nur Sinn, wenn alle Mitwirkenden einen Mehrwert verspüren. Dementsprechend sehe ich bei der Arbeit mit OSS auch eine Weiterentwicklung der sozialen und der Führungskompetenzen.

Weitere Beiträge

Zum GISA Blog
01 11
Tech Talk

Unser Kompass in Richtung Zukunft

07.04.2026

Hannah Zerjeski gibt der Unit Technical Solutions bei GISA ein Gesicht. Ihre Welt: GIS und 3D-Zwillinge.

Zum Beitrag
Tech Talk

Open Sourceler aus Überzeugung

11.03.2026

Open Sourceler aus Überzeugung

Zum Beitrag
Tech Talk

Ja, nein, vielleicht? Mit GISA und Open Source zu besseren Entscheidungen

11.03.2026

Einsatzbereite Lösungen für datenbasierte Entscheidungen sind ihre Spezialität: Ulrike Kermeß ist seit Sommer 2024 Head of Data & Analytics bei GISA.

Zum Beitrag
Tech Talk

IT-Security mit der analytischen Klarheit und Kreativität eines Künstlers

10.03.2026

IT-Security mit der analytischen Klarheit und Kreativität eines Künstlers

Zum Beitrag
Tech Talk

Mehr Zeit und Geld zum Forschen mit GISA

17.02.2026

Mehr Zeit und Geld zum Forschen mit GISA

Zum Beitrag
Tech Talk

Mit UX-Design Technik menschlich machen

21.05.2025

Sabrina Zeckert verbindet UX-Design, Technik und Kreativität, um digitale Produkte bei GISA menschlich und nutzerfreundlich zu gestalten.

Zum Beitrag
Tech Talk

Offshore-Windparks: Klettergurt & IT-Sicherheit

25.02.2025

Stefan Röhrig sorgt als IT-Consultant für die Sicherheit von Offshore-Windparks – zwischen Hightech, Höhen und extremen Bedingungen.

Zum Beitrag
Tech Talk

Von Berlin nach Halle – Open Source als Begleiter

25.02.2025

John Seiler: 18 Jahre GISA, Leidenschaft für Linux und Open Source – vom Systemadministrator zum Teamleiter virtueller Linux-Umgebungen.

Zum Beitrag
Tech Talk

Mit easyBANF Hochschulen digital voranbringen

21.02.2024

Annett König treibt als Senior Consultant ERP die Digitalisierung von Hochschulen voran und optimiert Beschaffungsprozesse mit easyBANF.

Zum Beitrag
Tech Talk

Im Doppelpack Wissenschaft digitalisieren

20.02.2024

Die Zwillinge Victoria und Caroline Petzold zeigen, wie sie Studium und SAP-Consulting im Doppelpack meistern und Wissenschaft digitalisieren.

Zum Beitrag
Tech Talk

Wie ein SAP-Berater die Digitalisierung der Wissenschaft voranbringt

19.02.2024

SAP-Berater Clemens Schlechter zeigt, wie er mit dem Hochschulmaster Prozesse vereinfacht und die Digitalisierung der Wissenschaft vorantreibt.

Zum Beitrag
Jobsuche