IT: ein Stück Heimat in der Ferne

Anton Liaposhchenko studiert Angewandte Informatik an der Hochschule Merseburg. Schon als Kind begeistert sich der gebürtige Ukrainer fürs Programmieren, lötet und schraubt in seinem Zimmer zu Hause in Sumy an der Platine und erhält zahlreiche Preise in Schulolympiaden, zuletzt den nationalen 1. Preis für Physik.

Was hat dich dazu bewogen, Angewandte Informatik zu studieren?

Programmieren hat mich schon immer fasziniert. Mit zwölf Jahren habe ich ein YouTube-Tutorial dazu geschaut und wollte es sofort selbst versuchen – ein Rabbit Hole! Später habe ich mich in Richtung IoT orientiert, mir mit Werkzeugen meines Vaters und Großvaters eine Löt-Werkstatt eingerichtet und zum Experimentieren einen eigenen Server aufgebaut. Zuletzt habe ich mich vor allem der Webentwicklung gewidmet. Nachdem ich bisher mit Java Script gearbeitet habe, lerne ich im Studium jetzt C, Assembler und Java. Das ist sehr spannend.

Welche konkreten Projekte hast du bereits umgesetzt?

Vor dem Studium habe ich zum Beispiel mehrere Unternehmenswebsites für die Druckerei meiner Eltern programmiert. Eine mit Shop-Anbindung. Das lief richtig gut. Eine letzte geplante Seite konnte ich jedoch nicht fertigstellen wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.

Welche Folgen hatte dieser Schicksalsschlag für dich und deine Familie?

Nun, mein Vater verteidigt seither das Land und meine Mutter ist nach Tschechien geflüchtet. Ich bin allein nach Deutschland gekommen, um hier in Merseburg an der Hochschule zu studieren. Es war die Empfehlung eines Freundes, der hier erfolgreich an einem Austauschprogramm teilgenommen hatte. Ich bin sehr dankbar, dass ich angenommen wurde.



Wie konntest du dich angesichts dieser schweren Bedingungen in Merseburg einleben?

Glücklicherweise hatte ich in der Schule vier Jahre lang Deutschunterricht und kann mich gut verständigen. Ich lebe in einem Wohnheim für ausländische Studierende. Das ist nicht weit vom Campus entfernt und das Stadtzentrum ist auch schnell erreichbar. Die Hochschule veranstaltet immer wieder Events für internationale Studierende. Es gibt Exkursionen in verschiedene Städte, Bowlen, Kino und manchmal Partys. Daran nehme ich immer gerne teil.

Was machst du sonst in deiner Freizeit?

Ich stecke viel Zeit ins Programmieren. Wahrscheinlich zu viel (lacht). Aktuell beschäftige ich mich mit einem Open Source Projekt: Ich habe bei dem Jellyfin Media Player einen Bug entdeckt und versuche, das Problem zusammen mit der Entwicklung zu lösen. Manchmal widme ich mich auch der Elektronik. Besonders stolz bin ich auf ein Gerät zur unterbrechungsfreien Stromversorgung meines Servers in der Ukraine, damit er trotz der ständigen Stromausfälle rund um die Uhr läuft. Ich steuere ihn von hieraus und bin sehr froh, dass es funktioniert.

Wie holst du dir außerdem ein wenig Heimat in die Ferne?

Ich telefoniere regelmäßig mit meinem Vater an der Front, zum Glück geht das. Und natürlich mit meiner Mutter in Tschechien, die ich dort von Zeit zu Zeit übers Wochenende besuche. Das ist ja nicht weit entfernt. Außerdem koche ich mir gerne ukrainische Gerichte. Zum Beispiel Kartoffelpuffer.

Mhhh. Mit Apfelmus oder Zucker und Zimt?

Bei uns gibt’s dazu traditionell saure Sahne. Aber ich probiere sie gern mal mit Apfelmus (lacht).

Wie unterstützt dich das Deutschlandstipendium während des Studiums?

Neben den finanziellen Aspekten freue ich mich über den Kontakt zu einem so großen IT-Unternehmen wie GISA. Im März gab es einen Rundgang und ich habe mich gefreut, die verschiedenen Bereiche kennenzulernen, vor allem die Softwareentwicklung und Programmierung und die Besichtigung des Rechenzentrums.

Wie soll es für dich nach deinem Studium weitergehen?

Ich habe noch zweieinhalb Jahre Studium vor mir. Wenn mich die Vergangenheit eines gelehrt hat, dann, dass sich in kürzester Zeit alles ändern kann. Sowohl in der IT als auch in der übrigen Welt. Deshalb vermeide ich es, in die Zukunft zu schauen und lebe lieber in der Gegenwart. Im Hier und Jetzt.


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