Weltsprache IT– mit ihr ohne Fauxpas!

Sprachen begeistern sie von klein auf, vor allem Französisch: Nach Projektarbeiten, mehreren Auszeichnungen und einem dreimonatigen Schulaustausch legt Leonie Friedrich sogar ihr Abitur in Teilen auf Französisch ab.

Was fasziniert dich an der französischen Sprache und Kultur?

Vielleicht ist es das „Savoir-vivre“ oder das „Laissez-faire“. In Frankreich geht alles etwas ruhiger und unbeschwerter zu. Das spiegelt sich auch in der fließenden Sprache wider, die sehr viel melodischer klingt als der stramme Ton, den man im Deutschen anschlägt.

In deinem Studium – Fachübersetzen – Software und Medien – verbindest du deine Liebe zu Sprachen mit der IT. Wie kam es dazu?

Der Informatikunterricht in der Schule hat mein Interesse für Programmiersprachen und Kryptologie geweckt. Ich hätte auch Literarisches Übersetzen an einer anderen Uni studieren können, wollte aber unbedingt in die technische Richtung gehen – auch in Bezug auf die beruflichen Perspektiven. IT ist einfach die Zukunft.

Es geht um Softwarelokalisierung und Terminologie-Datenbanken. Was genau hat es damit auf sich?

Softwarelokalisierung umfasst die Übersetzung und Anpassung von Websites, Videogames oder Produkten an die kulturspezifischen Sprach- und Sehgewohnheiten in den verschiedenen Zielmärkten. Ein Automodell mit Namen „Silvermist“ ließe sich z. B. in den USA wunderbar vermarkten, wäre im deutschsprachigen Raum hingegen eher ein Marketing-Fauxpas. Ergänzend bilden Terminologie-Datenbanken eine Art Language Manual zur Qualitätssicherung, etwa für die konstante Verwendung von Fachbegriffen.



Wie unterstützt dich das Deutschlandstipendium bei deinem Studium?

Ich habe vorher in Halle gelebt und musste jeden Tag pendeln. Jetzt habe ich eine eigene Wohnung in Köthen und kann mich stärker ins Hochschulleben einbringen, engagiere mich im Prüfungsausschuss meines Fachbereichs und habe einen Job als Studentische Hilfskraft im Sprachenzentrum der Hochschule, bei dem ich u. a. dabei unterstütze, die Website zu übersetzen und die Terminologie-Datenbank zu pflegen. Das ist genau das, was ich später auch beruflich machen möchte.

Welche beruflichen Perspektiven bieten sich denn mit deinem Studium?

Der größte Arbeitgeber wäre wohl die EU bzw. die Generaldirektion Übersetzung, die alle Schriftdokumente in die 24 Amtssprachen übersetzt. Das gibt es analog für international agierende Unternehmen oder global vertriebene Videogames mit riesigen Terminologie-Datenbanken. Den Zielsprachen gerecht zu werden, erfordert stets einen hohen Rechercheaufwand. Deshalb bietet sich eine thematische Spezialisierung an. Damit könnte ich mich auch selbstständig machen.

Inwiefern siehst du KI dabei als Konkurrenz?

Tatsächlich ist die KI in Kombination mit einer Terminologie-Datenbank schon jetzt sehr stark. Trotzdem müssen die Prompts nach wie vor vom Menschen präzisiert und die Ergebnisse in Sinn und Gehalt an die kulturellen Gegebenheiten des Ziellandes angepasst werden. Produktnamen und Slogans können, wie das Beispiel Silvermist zeigt, nicht eins zu eins übersetzt werden, sondern müssen transkreiert werden, also in ihrem ursprünglichen Verständnis erfasst und wiedergegeben werden. Das kann die maschinelle Übersetzung nicht leisten. Noch nicht. Ich selbst nutze ChatGPT daher vorrangig als Recherchetool. 

Wie soll es für dich weitergehen?

Als nächstes steht ein Berufspraktikum an. Das würde ich tatsächlich am liebsten bei der EU absolvieren. Alternativ kommt auch ein Semester im Ausland in Frage, um mich sprachlich noch stärker zu fokussieren, am liebsten natürlich in Frankreich. Danach steht dann auch schon die Bachelor-Arbeit auf dem Plan: Ich würde gerne eine Terminologie-Datenbank selbst aufbauen oder optimieren, vielleicht sogar die meiner Hochschule.


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